Klima-Aktionsplan
Die Folgen der Klimakrise sind weltweit sichtbar: häufigere Stürme, heftigere Waldbrände, längere Dürren. All das hat der Klimawandel mitverursacht. Diese und weitere Folgen sind seit langem auch in Jena spürbar. Mit ambitioniertem kommunalen Klimaschutz will Jena seinen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten.
Jena klimaneutral 2035
Die Stadt Jena hat sich zum Ziel gesetzt, die Klimaneutralität bereits bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Mit dem Beschluss „Jena klimaneutral bis 2035“ vom 14.07.2021 hat sich der Stadtrat zu diesem ambitionierten Klimaschutzziel bekannt. Gleichzeitig wurde die Stadtverwaltung mit der Erarbeitung eines Klima-Aktionsplans beauftragt, dessen Umsetzung die Stadt Jena bis 2035 zur Klimaneutralität führt. Das Ziel des Klima-Aktionsplanes ist es, aufzuzeigen welche kommunalen Maßnahmen dazu erforderlich sind. Am 19.04.2023 hat der Stadtrat schließlich den Klima-Aktionsplan mit insgesamt 73 Klimaschutzmaßnahmen beschlossen, die nun umgesetzt werden.
Unter Downloads finden Sie den Bericht zum Klima-Aktionsplan sowie den Maßnahmenkatalog.
Erarbeitungsprozess
In einem partizipativen Prozess über einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahren wurde der Klima-Aktionsplan gemeinsam mit der target GmbH erarbeitet. Der Beirat für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung hat den Prozess zur Erarbeitung von entsprechenden Maßnahmen aktiv begleitet. Mit vielen weiteren relevanten städtischen Akteure, wie etwa die Stadtwerke Jena Gruppe, wurden im Rahmen von diversen Arbeitskreistreffen und Themenwerkstätten gemeinsam Maßnahmen erarbeitet, die Jena bis zum Jahr 2035 zur Klimaneutralität führen sollen.
Über eine online-Ideen-Karte wurde zudem allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Jena bereits im Erarbeitungsprozesses die Möglichkeit gegeben, Vorschläge zum Klima-Aktionsplan einzubringen. Drei Monate lang konnten interessierte Menschen ihre Ideen unterbreiten, wie auch Maßnahmen vorschlagen und bewerten. Die eingereichten Vorschläge finden Sie auf der Online-Ideen-Karte.
Den fertigen Plan hat der Stadtrat der Stadt Jena schließlich in seiner Sitzung am 19.04.2023 bestätigt und den Beschluss „Klima-Aktionsplan: Jena klimaneutral bis 2035“ gefasst. Gleichzeitig wurde die Stadtverwaltung mit der Umsetzung dessen beauftragt.
Pfad zur Klimaneutralität
Der Klima-Aktionsplan zeigt im sogenannten Klimaneutralitätsszenario auf, wie viele Treibhausgasemissionen in verschiedenen Sektoren eingespart werden können.
Gebäude und Quartiere
Im Bereich Gebäude und Quartiere muss durch Effizienzsteigerung und Suffizienz der Stromverbrauch bis 2035 um 15 % reduziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten 2 % des Gebäudebestands mit einer durchschnittlichen Sanierungstiefe entsprechend dem KfW 55-Standard saniert werden. Gleichzeitig müssen 70 % der Einfamilienhäuser wärme-seitig mit Wärmepumpen und wiederum 70-80 % der Mehrfamilienhäuser durch Fernwärme versorgt werden, um das Sektorziel erreichen zu können.
Unternehmen
Im Sektor Unternehmen, also Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), muss der Stromverbrauch ebenfalls um 15 % reduziert werden. Dazu müssten 2 % des Gebäudebestands mit einer durchschnittlichen Sanierungstiefe entsprechend dem KfW 55-Standard saniert werden. Außerdem muss die Wärmeversorgung des GHD-Sektors zu 60 % über Fernwärme erfolgen.
Stadtverwaltung
Die Gebäude der Stadtverwaltung müssen ebenfalls Stromeinsparungen von 15 % erzielen. Es ist eine jährliche Sanierungsrate des Gebäudebestands von 3 % anzustreben, mit einer durchschnittlichen Sanierungstiefe gemäß KfW-55-Standard. Die Wärmeversorgung muss bis 2035 ausschließlich durch Fernwärme oder andere erneuerbare Energien sichergestellt werden.
Mobilität
Ein Drittel der Treibhausgasemissionen Jenas sind dem Sektor Mobilität zuzuordnen. Die Fahrleistung des PKW-Verkehrs muss um 30 % reduziert werden, was einer Reduktion des Anteils des motorisierten Individualverkehrs am Modal Split von aktuell 35 % auf 20 % entspricht. Der Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) am Modal Split bis 2035 auf 22 % ansteigen und der gesamte ÖPNV elektrisch oder mit alternativen Antrieben betrieben werden, um das Sektorziel erreichen zu können.
Energieversorgung
Eine ganz ausschlaggebende Rolle nimmt jedoch der Sektor Energieversorgung ein. Die Fernwärme-Erzeugung muss bis 2035 zu 85 % auf Basis erneuerbarer Energien oder von Wasserstoff erfolgen und bis zum Jahr 2040 zu 85 % durch Nutzung der Flussthermie der Saale. Weiterhin besteht ein Ziel darin, dass der in Jena verbrauchte Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien erzeugt wird.
Maßnahmen
Zur Umsetzung des Klimaneutralitäts-Szenarios wurden 73 Maßnahmen in den definierten Themenfeldern in einem Maßnahmenkatalog entwickelt. Anspruch des Maßnahmenkatalogs ist es nicht, die Vielzahl an kleinteiligen Einzelmaßnahmen aufzuführen. Stattdessen wurden alle im Rahmen des Beteiligungsprozesses genannten Maßnahmen auf ihre Relevanz hin überprüft und in Maßnahmenpakete zusammengefasst.
Maßnahmenkategorien
Die Maßnahmen werden in drei Maßnahmenkategorien eingeordnet.
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Sofortmaßnahmen sind zeitlich als prioritär zu behandeln, wenn möglich bis Ende 2024.
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Leitmaßnahmen sind von besonderer Bedeutung, da deren Strahlkraft und/oder das THG-Minderungspotenzial besonders groß ist. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass mehrere Einzelmaßnahmen organisatorisch zusammengefasst werden. Die Umsetzung dieser geht im Gegensatz zu den Sofortmaßnahmen jedoch mit einem größeren zeitlichen Vorlauf einher.
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Weitere Maßnahmen werden als begleitende Maßnahmen definiert. Diese sind ebenso wichtig für die Zielerreichung, haben aber einen geringeren Einfluss auf das THG-Minderungspotenzial und dienen im Wesentlichen zur Unterstützung der Leitmaßnahmen bzw. haben das Ziel, den Klima-Aktionsplan durch Kommunikation, Information und Vernetzung zu unterstützen.
Unter Downloads finden Sie den Maßnahmenkatalog.